Das Futures Lab Berlin: Rückblick & Einladung.
Seit Oktober 2025 ist in der Wilhelmstraße 150 in Berlin-Kreuzberg in unserem WorkCoopHub ein Arbeits- und Begegnungsraum gewachsen, der Zukunft als gemeinsame Praxis verstanden hat. Das Futures Lab Berlin, ermöglicht durch einen Space-Grant der Smart Genossenschaft, brachte Künstler aus unterschiedlichen Disziplinen, Ländern und Erfahrungshorizonten zusammen, um neue Formen kreativer Zusammenarbeit zu erproben.
Ausgangspunkt war eine bewusst offene Frage: Wie lässt sich Zukunft gemeinsam gestalten – praktisch, dialogisch und zugänglich?
Im Futures Lab wurde diese Frage nicht theoretisch beantwortet, sondern im Tun. Workshops dienten als Struktur, vor allem aber als Einladung: Menschen arbeiteten miteinander, teilten Wissen, überwanden Sprachbarrieren und entdeckten eigene kreative Zugänge. Analoge Techniken wie Collage, Nähen, Recycling und Upcycling verbanden sich mit digitalen Werkzeugen und KI-gestützten Methoden.
So entstand ein Arbeitsprozess, der Kreativität als soziale Praxis verstand.
Formate als Lern- und Begegnungsräume
Der Februar 2026 machte diese Arbeitsweise besonders sichtbar. Unterschiedliche Formate öffneten jeweils eigene Perspektiven auf kreative Zukunftsgestaltung.
Im Recycling-Lab mit Zhanara wurde Material zur Ausgangsfrage. Textilien und Alltagsreste wurden nicht entsorgt, sondern neu gelesen – als Ressource, als Erzählung, als Entwurf. Der Workshop verband ökologische Praxis mit gestalterischem Experiment.
Die Kino-Dienstage mit Alex schufen einen kollektiven Denkraum. Filme wurden gemeinsam gesehen und als Anlass genutzt, ästhetische Entscheidungen, gesellschaftliche Themen und filmische Sprache zu diskutieren. Analyse wurde Gespräch, Gespräch wurde gemeinsame Interpretation.
Mit „Die Zukunft des Nähens“ (Alexandrina) entstand ein kontinuierlicher Lernprozess rund um Technik, Handwerk und Gestaltung. Der zweisprachige Rahmen (Deutsch/Russisch) machte den Workshop zugleich zu einem Ort des Austauschs über unterschiedliche gestalterische Traditionen.
Weitere Formate erweiterten das Spektrum: Ein Stop-Motion-Workshop verband Handarbeit mit Animation, ein Collage-Intensivkurs untersuchte visuelle Komposition, ein gemeinsamer Shopper-Workshop kombinierte Upcycling und kollaborative Gestaltung. Das Format zu KI und Social Media öffnete den Blick auf digitale Bildproduktion und visuelle Identität im Netz.


Was dieses Projekt besonders macht
Das Futures Lab war kein Workshopprogramm. Es war ein Arbeitsraum für gemeinsame Zukunftspraxis.
Viele Projekte reden über Zukunft. Hier wurde Zukunft gemacht.
Nicht Vision Boards, sondern Materialien in der Hand.
Nicht Strategiepapier, sondern Versuchsanordnung.
Nicht „Innovation“ als Schlagwort, sondern kleine, reale Experimente.
Zukunft wurde etwas, das Menschen miteinander tun.
Kunst, Handwerk, Film, KI, Mode und Social Media wurden nicht kuratiert nebeneinandergestellt, sondern arbeiteten praktisch ineinander. Teilnahme bedeutete nicht Expertise, sondern Bereitschaft. Daraus entstand eine seltene Qualität: Lernen verlief horizontal.
Sprache wurde zum Material, nicht zur Grenze. Kommunikation lief über Hände, Bilder, Demonstration und Nachmachen. Dreisprachigkeit (DE/RU/EN) war nicht Zusatz, sondern Struktur. Teilhabe wurde nicht erklärt, sondern gebaut.
Auch Technologie trat anders auf. KI stand neben Schere, Stoff und Kleber – als Werkzeug unter anderen. Das entdramatisierte Technologie und machte sie gestaltbar. KI wurde Teil kreativer Alltagspraktiken statt Gegenstand von Distanz.
Im Zentrum stand schließlich der Prozess. Das Projekt zielte weniger auf fertige Werke als auf Beziehungen, Methoden, Selbstwirksamkeit und Wiederholbarkeit. Während Förderlogiken häufig Output verlangen, verschob das Futures Lab den Wert hin zu Erfahrung und kollektiven Arbeitsweisen.
Einladung zum Abschluss
Am Samstag, 28. Februar, 12:00–17:00 Uhr, öffnet das Futures Lab noch einmal seine Türen – zum Swap & Abschied.
Im Raum stehen Arbeiten des Monats, darunter die Schuh-Installation als gemeinsames Zentrum. Dinge dürfen weiterwandern: Kleidung, Objekte, Materialien, Ideen und Geschichten. Eine Tauschbörse, die Prozesse fortsetzt statt sie zu beenden.
Zeit für Begegnung.
Zeit für Gespräche.
Zeit, den entstandenen Raum ein letztes Mal gemeinsam zu bewohnen.
Der Austausch bleibt dreisprachig (DE/RU/EN). Die Atmosphäre offen. Das Ende eher ein Übergang.
Wer neugierig ist, wie sich Zukunft anfühlt, wenn man sie miteinander ausprobiert, ist herzlich eingeladen vorbeizukommen: etwas mitzubringen, etwas mitzunehmen — oder einfach da zu sein.

